Aussterben gehört dazu, aber reich sollte man dabei sein

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Inschrift in Gmund

Drei Dinge voraus: Ich bin alles andere als ein Kinderfreund.

Malte Welding habe ich zwar persönlich nie getroffen, aber wir haben gut zusammengearbeitet, schätzen einander und verstehen uns trotz aller kulturellen Unterschiede, von denen noch die Rede sein wird. Zumindest war das bisher so.

Und ich hatte gestern vier Stunden Zeit, sein Buch auszulesen. Zwischen der kleinen, dummen Stadt an der Donau und München war eine Familie im Zug, die stundenlang nicht in der Lage war, ihren Schreibratzen den Mund zu verbieten, und der Zug fuhr wegen einer Selbstmorddrohung langsam. In Dachau mussten alle in die S-Bahn umsteigen, und auch dort war wieder eine Schreifamilie. Zwischen München und Holzkirchen waren dann alkoholisierte Emojugendliche neben mir, die in der Kinderzone Bier verschütteten, und zwischen Holzkirchen und und Schaftlach eine Jungtrachtengruppe aus der Jachenau.

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Und obwohl ich überhaupt kein Trachtenseppl bin – ich komme aus einer Stadt, und da trug man zu keiner Zeit Lederhosen – war die Trachtengruppe mit ihren Gamsbarten bei den Buben und den hochgesteckten Haaren bei den Daendln doch so erholsam, dass ich mich nun halbwegs ausgeruht und mit geheilten Nervenschäden daran machen kann, mich mit Malte Weldings Aufruf an die Eltern zu beschäftigen, der Politik den Marsch zu blasen. Und mehr Geld und mehr Unterstützung zu fordern, wenn die schreiende, bierverschüttende und wohl nur noch in der Jachenau sauber erzogene Zukunft des Landes demselben geschenkt wird. Dazu wird ein Begriff für eine kinderfeindliche Ideologie eingeführt, die sich nicht darum kümmert, dass Raum und Möglichkeiten für Nachwuchs da sind: Antinatalismus. Das trifft die gesamte politische Kaste von links bis rechts, aber auch Leute wie mich, die der Meinung sind, dass Kinderkriegen ein Privatvergnügen ist, und angesichts einer langen Familiengeschichte finden, dass sich die Leute nicht so aufführen sollen, früher ging das doch auch.

Ja mei. Ich finde auch, dass diejenigen, die die Gleichberechtigung wollten, sich jetzt nicht beschweren brauchen, wenn sie in einer wie immer rücksichtslosen Arbeitswelt gelandet sind, nur mit dem Unterschied zu früher, dass da halt keine Grossfamilie mehr ist, die als Puffer agiert. Das weiss man eigentlich schon vorher. Auch beim breit dargestellten Thema Alleinerziehung hält sich mein Mitgefühl mitunter in Grenzen: Bei der Paarung galt lange Zeit ein gewisses Sexkonsumverhalten als ultima ratio, statt auf das Vermögen und die Dauerhaftigkeit von Beziehungen zu achten. Die eigene Grossmutter verstand früher mehr davon als das Enkelind, das nach der Party das Kondom für nicht so wichtig hält. Malte Welding weiss und beschreibt das auch, aber eben aus der Sicht eines Autors, für den das klassische Grossfamilienmodell eine Vergangenheit ist, die nicht wieder kommt. Was er fordert, und mit vielen Quellen zu belegen sucht, ist, dass sich die Politik den neuen Realitäten zu stellen hat. So wie er sie aus Berlin kennt. Und da sieht er auch das Potenzial an Eltern, sich gegen die alte, graue Politik zu wehren.

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Mit hineingemischt sind auch Vorwürfe gegen überzeugte Singles wie mich, die sich dann von den jungen Familien abwenden und dem Nachwuchs entfremden würden. Unser gemeinsamer Berliner Freund H. sagt es von der anderen Seite aus: Man verliert seine Freunde an deren Kinder. Und ich wiederum sehe das nochmal alles ganz anders, weil ich nicht in Berlin lebe, sondern halt in Bayern, und das auch ganz anders kenne. Es ist nämlich überhaupt nicht so, dass sich eine kinderfeindliche Umgebung abwendet und nur von Ferne zuschaut, wie junge Familien vor die Hunde gehen. Das ist ein typisches Phänomen der grossen Städte, wo man jederzeit unter den Neuzuwanderern neue Freunde und potenzielle Geschlechtspartner findet, die keine Kinder haben, und die Beziehungen generell labil und oberflächlich sind. Ich kenne die Klageweiber, die Malte Welding in der Sache zitiert, aus eigener Ansicht: „Aus den Augen, aus dem Sinn“ ist die oberste Maxime nicht erst beim Kind. Das geht viel schneller, schon beim Wegzug nach West-Berlin, bei der ehrlich vertretenen Auffassung, dass 200 ausländische Drogenmafiosi im Görlitzer Medellinpark ins nächste Flugzeug und ihre Grosskunden und die grünen Bezirks-Noriegas vor Gericht gehören, oder dass man auch nur etwas von einem retweetet, der derartige Ansichten verbreitet. Natürlich sind solche Facebook- und Twitterfreunde dann nicht mehr diejenigen, die Würste mitschicken, wenn man im Winterurlaub bei ihnen Handschuhe der Kimder vergessen hat.

In halbwegs fest gefügten Gesellschaften mit geringer Fluktuation kann man sich so ein Verhalten gar nicht leisten: Nachbarn, Freunde, Familie und Umgebung hat man oft ein Leben lang. Da sind Kinder halt auch nur eine Phase, die gewisse Veränderungen mit sich bringt, aber keinen Abbruch der Beziehung. Es gibt nur einen Wochenmarkt, einen See, eine Altstadt und einen Konzertverein: Da sind dann alle. Malte Welding beschreibt völlig zutreffend eine bindungsflexible Metropolengesellschaft, die entlang der Familiengründung zerbricht und Singles zurücklässt, in deren Welt keine Kinder vorkommen. Da hat er recht. Und dann den Rest des Landes, der vergreist und überaltert, und in dem Kinder gar nicht mehr vorkommen: Da täuscht er sich nach meiner Meinung.

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Denn ich wohne am Tegernsee in genau so einer überalternden, scheinbar antinatalistischen Gemeinde. Im Gegensatz zu Berlin kann man hier das Defizit an jungen, gut ausgebildeten Leuten nicht beheben, indem man die Eingeborenen in dreckigen Schulen mit Radaunicks zusammensperrt und darauf wartet, dass es die Zuzügler aus Bayern und Baden mit dem Geld ihrer Eltern und dem dortigen Abitur im Durchschnitt schon richten. Je kleiner die Kommune, desto drängender ist das Problem einer überalternden Gesellschaft, und desto mehr hängt sich die ergraute Politik in diesem Bereich auch rein – oft Hand in Hand mit den Unternehmen, die in Weldings Buch auch denkbar schlecht wegkommen. Unsere Firmen investieren Geld in feste und gut ausgebildete Arbeitskräfte, die sie nicht verlieren wollen, und unsere Kommunalpolitiker wissen genau, wie verhängnisvoll der Ruf als Altenghetto ist, das der Jugend nur die Flucht lässt: Dafür legen sie sich sogar, wenn es sein muss, mit der EU an, um höchst vorteilhafte Einheimischenprogramme aufzulegen, die speziell Familien mit Kindern fördern und deren Eigenheime subventionieren. Eigenheime. Keine Sozialbauten, die nur den Fortbestand der Probleme versprechen. Natürlich sind bei uns die Kitas nicht kostenlos wie in Berlin, aber Betreuung ist bei uns kein leeres Versprechen wie in der Drogenhauptstadt, wo man die Kita als ersten Schuss für lau bekommt und danach eine verstrahlte Schulpolitik – und ich habe wenig Zweifel, dass in dem Punkt auch mal ein wütendes Beschwerdebuch aus Berlin kommen wird. Völlig zurecht.

Aber so sehr man hier bei uns den grundsätzlichen Gedanken des Buches einer Fehlentwicklung seit dem Pillenknick zustimmen wird, wird der Aufschrei der Eltern dieser Republik ausbleiben: Weil das Land über weite Strecken nicht Berlin ist, nur wenige in prekären Verhältnissen Berliner Art leben, aber fast jeder noch helfende Familienmitglieder und Freundeskreise hat, und eventuellen Klagen der Mund oft genug mit Geld und Förderung und Schenkungen gestopft wird. Dass eine Stadt zur Finanzierung von links unterwanderten Flüchtlingsaktivisten eine Haushaltssperre ausrufen und Jugendeinrichtungen schliessen muss, und damit durchkommt, gibt es halt in Kreuzberg, wo dann auch taz-Autorinnen dreiste Forderungen erheben. Im Rest der Landes wird man dagegen Probleme haben, die wirklich beklagenswerten Berliner Realitäten zu erkennen. Darüber mag man speziell bei der taz die Nase rümpfen – aber das Problem ist so vielschichtig, dass es nicht reichen kann, moralisch gute Eltern gegen einen bösartigen, kinderfeindlichen Staat in Stellung zu bringen. Und so bitter es für die einen auch sein mag, wenn Milliarden ins Ehegattensplitting fliessen: Ähnlich wie beim ideologisch bekämpften Betreuungsgeld gibt es halt auch viele, die genau damit sehr glücklich werden und ihren Kindern ein phantastischen Leben bieten. Zusammen bleiben. Sich arrangieren und das Beste daraus machen. So wie früher halt auch. Das ist keine ferne Vergangenheit, das ist immer noch das Konzept der meisten Familien. Und deshalb glaube ich nicht, dass es zu einer bundesweiten Empörung der Eltern kommen wird. Wer einen Zweifel daran hat, kann gerne einmal den Kulturschock riskieren, nach Gmund kommen und sich den Spielplatz am See anschauen. Und die Kindergärten und unsere mit heimischen Materialien frisch erweiterte Grundschule. Am besten am Tag der Einschulung, da kommen die Mädchen im Dirndl und die Buben in der Lederhose. Mit einem gewissen Stolz auf die Heimat und die Tradition, deren Träger sie sind.

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Ansonsten bin ich Historiker und halte die Behauptung, dass Kinder später mal irgendwas irgendwie besser machen, zumal in ihrer grossen Masse, für komplett absurd und aberwitzig – jede Erfahrung spricht klar dagegen. Manche Kinder werden toll und manche eine Enttäuschung, manchmal ist es wegen der Eltern und manchmal trotz derselben, dann ziehen sie los und ruinieren den Planeten als egomane Zyniker oder kommen mit bescheuerten Ideologien zur Rettung der Menschheit an, deren einziger Vorzug es ist, dass sie nicht in die Realität umgesetzt werden. In Gmund schaue ich auf Berge, die hier schon standen, als unten im Tal Mönche familienpolitischen Unsinn mühselig auf Pergament malten, und schlafe im Bewusstsein ein, dass sie noch stehen, wenn man später einmal den Homo Sapiens nur noch als Fossil vorfindet. Aussterben gehört nun mal dazu, das ist das Gesetz der Natur, und wenn es die nächste Generation auch vergeigt, dann ist es eben so. Malte Welding hat sehr treffend beschrieben, was sich da früher alles falsch entwickelte, und wer Gründe haben will, der Berliner Republik den Marsch zu blasen, sollte das Buch kaufen.

Oder halt zu uns ziehen, eine gute Ehe führen, nehmen was man kriegen kann, freundlich sein und auf Einheimischenprogramme für junge Familien achten.

Pornoskandal im feinsten Lehel

Nudus ara, sere nudus, hiemps ignava colono
Vergil

Stellen Sie sich vor, Sie wären reich. Steinreich. Reich genug, um sich ein Grundstück in der feinsten Lage der teuersten Stadt leisten zu können, hundert Meter lang und fünfzig Meter breit, direkt an der Isar und zentral gelegen. Und reich genug, ein Haus neben dem nächsten hinzustellen, sieben Stockwerke hoch und nur mit den besten Materialien. Eingänge aus schwarzem Marmor, vier Meter hohe Decken, Flügeltüren, dickes Parkett, getäfelte Wände. Sie schaffen es einem Architekten an, und der baut das für Sie. Einen ganzen Strassenzug. Und dann kommt der Architekt und fragt Sie, was Sie als Kunst am Bau haben möchten.

Nun, sagen Sie und schenken sich einen Cognac ein, lehnen sich zurük in Ihren Sessel und schauen mokant lächelnd himmelwärts, mein lieber Herr Baumeister, Sie werden so freundlich sein, über das Portal zwei splitterfasernackt posierende Knaben zu machen, vielleicht 4 Jahre alt, die den Hintern zusammen kneifen, den Penis vorzeigen, und dicke, wurstartige Girlanden schleppen.

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Knaben mit dicken Dingern, ist notiert.

Und dann, sagen Sie, im Treppenaufgang, wo es dann etwas privater wird, hätte ich gern noch mehr nackte Knaben. Prall, mit Babyspeck, auf jedem Stockwerk einen, neckisch, gell, man soll ja was zum Anschauen haben, wenn man nach oben geht. Ganz einfach, viele nackte Knaben. Bitte die beste Ausführung, es darf ruhig was kosten. Bleiglas, verziert.

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Wenn Sie das vor einem Jahrhundert gesagt hätten, hätte sich niemand etwas dabei gedacht und es exakt so wie gewünscht gebaut – und so steht es übrigens auch tatsächlich an der Isar. Würden Sie das aber heute verlangen, kämen Ihre Verwandten zum Schluss, dass Sie neben einer untragbaren Vorliebe auch noch einen krankhaften Exhibitionismus haben – man würde Sie in ein Sanatorium in die Schweiz verfrachten und entmündigen lassen, bevor solche Motive einen Skandal verursachen und Sie das Geld Ihrer Erben anderweitig schmälern. Schliesslich haben wir nach Jahren der Panikmeldungen, dem Fall Edathy und der Nichtberücksichtigung des Umstandes, dass Kindesmissbrauch ursächlich weniger im Internet denn in Familien und in der Realität stattfindet, ein verschäftes Gesetz, und das besagt.

§ 184b Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornographischer Schriften
(1) Mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren wird bestraft, wer

1. eine kinderpornographische Schrift verbreitet oder der Öffentlichkeit zugänglich macht; kinderpornographisch ist eine pornographische Schrift (§ 11 Absatz 3), wenn sie zum Gegenstand hat:
b) die Wiedergabe eines ganz oder teilweise unbekleideten Kindes in unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung oder
c) die sexuell aufreizende Wiedergabe der unbekleideten Genitalien oder des unbekleideten Gesäßes eines Kindes.

Nun.

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Das war übrigens noch bei weitem nicht alles. Die Darstellungen im Treppenhaus können in einer Zeit wie der unseren, die voll von möglichen erotischen Anspielungen ist, auch, sagen wir mal, eine weitere Bedeutungsebene bekommen. Der Krieg etwa ist ein Kind, das eine Lanze hält und es gehört gar nicht viel dazu, an dieser Stelle tatsächlich an die Ephebenliebe der klassischen Antike zu denken. Der Schmutz ist hier im Kleide des Denkmalschutzes und der allegorischen Anspielung, aber jeder würde heute wohl zurückschaudern, ginge es darum, sein Haus so zu verzieren.

Auch der Friede, der mit der Palme wedelt, ist nicht nur nackt, sondern auch anspielungsreich und ich möchte betonen, dass ich dieses Haus, diese Treppen hier seit fast einer Dekade kenne und nie den Eindruck hatte, jemand würde sich an diesen Darstellungen irgendwie erregen. Sei es nun sexuell oder moralisch. Die meisten finden das einfach nett. Hübsch. Man gewährt der Vergangenheit ganz selbstverständlich eine gewisse Toleranz, bekommt aber auf der anderen Seite Zustände, wenn es im Kindergarten einen männlichen Erzieher gibt. Oder die Kinder etwas komisches im Internet machen könnten. Wie definiert man eigentlich „unnatürlich geschlechtsbetonte Körperhaltung“ in einem Treppenaufgang, wo lauter nackte Kinder auch mal Tiere halten?

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Da ist nun mal das alte Europa, das beste alte Europa unter dem Prinzregenten in Bayern, als München leuchtete, im klaren Konflikt mit unseren heutigen Moralvorstellungen, da wir nun empfindsamer sind und die Problematik besser verstehen und eben keine nackten Kinder über die Hauseingänge setzen. Wir wissen zudem, wie die Graubereiche des Gesetzes im Zweifelsfall gegen uns ausgelegt werden können, und bremsen uns lieber präventiv ein. Kurz, wir benehmen uns wie ein katholischer Kardinal der Spätrenaissance, dem die Lutheraner mit ihrer Entsagung den Spass ruiniert haben und der nun keine nackten Frauen mehr an den Wänden haben will, keine griechischen Götter beim Beischlaf und keine Unzucht – und deshalb einen der schlechteren Maler namens Daniele da Volterra im Rahmen von Sitte und Anstand beauftragt, da doch ein paar Stoffe vor die allzu kompromittierenden stellen zu pinseln. Und danach noch mindestens eine heilige Cäcilie und eine Kreuzabnahme daneben. Frechere Maler, wie etwa Agostino Carracci, dessen pornographische Kupferstiche teilweise auch nach unserem Verständnis eindeutig strafbar wären, bekamen dagegen damals ebenfalls Ärger mit der Obrigkeit.

Nun haben wir also in besseren Kreisen derartige Häuser und gleichzeitig neue Gesetze. Vielleicht wäre es sinnvoll, wenn wir uns auch solche Hosenmaler, solche Braghettoni für unser puritanisch-awares und von Safe Spaces geprägtes Zeitalter beschaffen würden, auf dass kein empört schnell Hochsteigender ein Trauma bekommt und schon wieder einen Psychiater braucht. Allenthalben liest man bei uns, in Berlin gingen Galerien pleite, während kunstsinnige Uniabsolventen dort keine Arbeit finden und dann den Strukturen des Kunst- und Literaturbetriebs mit ihren verfehlten Vorstellungen auf der Tasche liegen: Eine Hose werden sie hoffentlich noch pinseln können. Oder etwas Medienkunst davor hängen, was man leicht wieder entfernen kann, wenn die allgemeine Empörung wieder nachgelassen hat. Besorgte Eltern besetzen hierzulande obendrein die Plätze und fordern weniger Sexualkunde an den Schulen, und im grünen Kalifat Kreuzberg geht man gegen angeblich sexistische Werbung vor: Wir leben in aufregenden Zeiten und können auch nicht mehr den Prinzregenten bitten, dieses Gschwerrl von der Gendamerie von der Strasse putzen zu lassen, wenn es uns nicht passende Vorstellungen hat. Doch, so ein paar Berliner Hosenmedienkunstmaler könnten wir hier schon brauchen. Es gibt solche Darstellungen ja auch in der Fraunhofer Strasse. Und auch als Kunst gerahmt in der Alten und Neuen Pinakothek. Die Kupferstichsammlung hat auch Carracci, fällt mir ein.

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Und dann all die Barockkirchen – überall hängt hier was rum, wird etwas hergezeigt und wolllüstig gespielt. Es gibt viel zu tun bei uns in Bayern, um das Land auf den ethischen Standard von Gesetz und Jugendschutz zu bringen. So entlasten wir dann auch Berlin von ihrer Kreativzene, und wer weiss, vielleicht wird dort dann auch weniger gemalt, geschrieben und die Leute mit Modeblogs belästigt. Und wenn dann überall Hosen sind, beschäftigen wir sie als Putzpraktikanten weiter. Das ist in Zeiten des Mindestlohns immerhin noch nicht verboten und unser gutes Recht, und da lernen sie dann auch was für ihr Leben. Dahinten sehe ich noch Staub auf der Boteroskulptur, sagen wir, sinken in die Sessel und schenken uns noch einen Cognac ein.

Technik Update

Gestern wurde ein neues Update installiert, und es sieht so aus, als wäre auch das Problem mit dem zerschossenen Layout der Blogs unter gewissen Browsern bei der FAZ gelöst. Ja, es ärgert mich auch, besonders wenn ich das erst mitbekomme, wenn alles schon zu spät ist. Ja, ich hätte da auch gern eine andere Kommentarfunktion – so wie hier.

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Und vor allem hätte ich gern mehr Zeit, um das alles einigermassen anständig zu machen. Gewisse Erscheinungen im Moment sind aber fast sowas wie eine DDOS-Attacke. Und es sind nicht nur die Pegida-AfD-Irren und die Waffennarren und die sektiererischen Christen.

Es hat sich etwas Grundlegendes geändert. Ich bin nicht mehr beim Herausgeber des Feuilletons angesiedelt, sondern beim Chefredakteur von FAZ.net. Auf allgemeinen Wunsch übrigens. Das heisst, jeder Versuch, mich bei der Printzeitung anzuschwärzen, wenn mal ein paar Stunden ein Kommentar nicht kommt, ist sinnlos. Damit zu drohen, wie es in letzter Zeit ein paar mal passierte, ist aber auch nicht cool und das alles trägt ein wenig dazu bei, dass ich mir momentan so ein paar Gedanken mache.

Solang erst mal Erbaulich-Provokantes von meiner Gastautorin.

 

Rumpelrompompel

Manchmal frage ich mich, wie weit Ironie gehen darf, bis sie platt wie ein Fahrradschlauch ist. Heute war ich sehr platt, da habe ich als Selbstdistanzierung zwei Werke erwännt, die jeweils über Jahrzehnte von den herrschenden Mächten und besonders den Reaktionären bekämpft wurden: Diderots Enzyklopädie und Josefine Mutzenbacher.

Die habe ich dann als herausragende Beispiele der christlich abendländischen Kultur verkauft und vielleicht hätte ich noch dazu schreiben sollen:

ACHTUNG – wer sich selbst gleich so die Luft der sauberen Argumentation rauslässt, ist im Rest des Textes nicht immer ganz ernst zu nehmen.

kalec

Hat nur so mittelmässig geklappt. Oh und bei den Kommentaren ist immer noch das ein oder andere Problem zu beklagen. manche Verspanntheit liegt vielleicht am Wetter. Oder an der Jahreszeit. In der in Bayern ja traditionell die grossen Kräche stattfinden. Wie auch immer, das Konfliktmanagement wäre mal wirklich ein Thema für die Aufklärung und nicht nur Sex, über den man in aller Regel genug weiss.

Der nächste Test

Nun…

Es ist fraglos fein, wenn ein Beitrag zwölf Stunden prominent auf der Hauptseite und zwei Tage im Blogkasten steht. Das zeigt die Wertschätzung von Blogs bei der FAZ – allerdings passiert mir so etwas eher nicht, sondern dem Blog Zehn vor Acht. Ich finde es trotzdem schön, weil bei der ganzen Kraft einer der grössten deutschen Nachrichtenwebsites auch nicht mehr PIs rauskommen, als bei meinem letzten Beitrag von DEM, der vollkommen ignoriert wurde und nicht über die Hauptseite gelaufen ist. Das ist dann wohl der unterschied zwischen Kunstwollen und Können.

Man kann an der Stelle aber auch wirklich beklagen, dass die FAZ-Leser wohl doch noch keine vollkommenen Feministen sind.

Aber anstelle der sicher meinem Ansehen förderlichen Forderung, ein Umerziehungslager einzurichten, habe ich mich dann doch eher für Lebenshilfe entschieden, denn die Zeit, Mutterschiff der deutschen Gendertröten, fragte schleswiglich, warum all die Karrierefrauen so oft einsam in ihre im Internet bestellten Kissen weinen, und beim Zeitpartner Elitepartner keinen passenden Mann abkriegen.

Ich habe nicht gesagt, dass es prestigegeile, überarbeitete und sich selbst krass überschätzende Powerpointfailures mit Beinen und einem Nichts an der Stelle des Charakters sind, denn das kann ich nicht beurteilen und man will ja keinem etwas nachsagen. Aber ich kann erklären, warum die modernen Anforderungen der Arbeitswelt Frauen und Männer formen, die nicht so richtig in den Heiratsmarkt passen, der für sie finanziell, ökonomisch und eventuell auch sozial, wenn sie das kennen, interessant erscheint.

Versuchen wir das noch einmal mit der FAZ. Schauen wir, was rauskommt. Der Beitrag hat jedenfalls in einer Stunde auf der Hauptseite schon mal so viele PIs eingeheimst, wie die Konkurrenz nach zwölf Stunden. Prüfen wir die Kommentarfunktion und vielleicht wird ja doch alles gut.

Das ist ein Test

Ich wäre sehr um Feedback bei der Benutzung des neuen Blogsystems der FAZ dankbar – besonders beim neuesten Beitrag vin Deus Ex Machina über die Frage, ob man im Internet noch über Fett und dicke Leute reden kann. Ich sehe da inzwischen schon ein paar kleine Punkte, an denen man noch schraiben könnte, aber mich würde interessieren, wie die Nutzer das erleben. Vielen Dank. Ich denke, vieles wird da recht gut und hoffe auf angenehme Erfahrung.

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