damit in dieser schönen Stadt das Laster keine Chance hat.
Spider Murphy Gang

Langsam wird es im schönen Bayernland ernst für Christine Haderthauer und ihren Mann. Das merkt der kundige Zwischendenzeilenleser – und ein solcher sollte man hier sein, schliesslich lebt man in einem 1-Parteien-Freistaat – daran, dass nun gegen Herrn Haderthauer geklagt werden soll, wegen nach Ansicht des Freistaates überhöhter Honorare. Klage. Gegen einen CSU-nahen Arzt. Wegen ein paar Abrechnungen. In Bayern. Als nächstes verkündet die bayerische Staatsregierung die Wiederansiedlung von Einhörnern in den Alpen und effektive Kontrollen beim Verkauf von Anti-Personen-Minen ins Ausland. Und ganz so, als wäre das nicht erstaunlich genug, wird diese Klage auch noch durchgestochen. An den Spiegel. Und gleich noch bestätigt. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

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Zwischendenzeilenleser wissen, was das bedeutet: Gott mit Dir, Du Fehlender im Land der Bayern. Wenn der Staatspartei ihre Ministerien etwas so laut machen, dass man beim roten Spiegel in Hamburg davon hört, und anschliessend den ganzen Vorgang gegenüber den anderen Kommunisten der SZ bestätigen, ist das nur eine Stufe unter jenem berühmten Auftritt des bayerischen Prinzregenten und Sonnenkönigs Seehofer im ZDF, der die Karriere des Herrn Röttgen in Nordrhein-Westfalen spektakulär beendete. Es macht für mich den Anschein, als würden hier präventiv gewisse Leute den Medien sagen: „Liebe Medien, verschont unsere Ministerien und wenn ihr zündeln wollt, ist hier der Brandbeschleuniger für andere Häuser, und wenn ihr mehr braucht, schicken wie eine Sondersendung rüber.“ Ob sie das nun tun, weil der ganze Fall mit all seinen Details zur Belastung für die Partei wird, die nach dem Fall Kreidl nicht schon wieder eine solche blöde G’schicht erklären will, oder weil nicht jeder trauern würde, wenn da ein Posten frei würde, lasse ich einmal dahin gestellt.

Jedenfalls, es is wias is und damit sollte jeder im Freistaat intuitiv verstanden haben, dass die Partei möglichst weit weg sein will, falls es mit lautem Knall und Fetzen noch unschöner wird. Mit der Volte des Wochenendes plüschäugt die Partei die Medien lieb an und versichert, dass sie ein Jahrzehnt nach den blöden G’schichten von der Haderthauer und einem Jahr Skandalköchelei ernsthaft um Aufklärung bemüht ist, weil ja Bayern ein Rechtsstaat ist, und vor dem Herrscher sind alle gleich. Und gleich schnell weg, wenn es sein muss. Wobei das nicht so ganz stimmt, Frau Haderthauer aus Ingolstadt hat im Vergleich zu anderen Gestrauchelten tatsächlich bemerkenswert viel überstanden.

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Wie manche vielleicht wissen, bin auch ich selbst aus jener kleinen, dummen Stadt an der Donau gebürtig, wie schon etliche Generationen vor mir, so dass ich mit Fug und recht sagen kann, ich sei ein alter Städterer, zu bayerisch, „oida Schdodara“. Und als solchem ist mir natürlich auch die generelle Befindlichkeit der Menschen hier bekannt, die hier durchaus stolz auf den Imperator sind, der in ihren wehrhaften Mauern geboren wurde, und die nun aber eine Erklärung erwarten, warum es zu dieser blöden G’schicht da gekommen ist. Die Sache ist nun mal nicht ganz so ruhmreich wie andere Wohltaten des Herrschers, es ist schon nahe am unverschämten Ergebnis der EU-Wahl, und man wundert sich, wieso die so lange bleiben konnte, Und weil nun einmal der Herrscher ein Faible dafür hat, das am Ende zu meinen, was das Volk schon vorher dachte, beginnt die sinnreiche Endlagerung der Frau Haderthauer nach dem, was ich so eingeflüstert bekomme, gleich dort, wo sie herkommt: Im fernen Neumünster nämlich, hoch im Norden, wo sie als „Cuntze“ geboren wurde. Natürlich hat man in Bayern nichts gegen Norddeutsche, aber. (<-das „aber“ der gesellschaftlichen Todes)

Jede gute Diskriminierung beginnt nun mal mit dem Verweis auf die Herkunft, und wenn es kommod war, hat man auch dem Stoiber seine nicht so ganz lupenrein bayerische Herkunft hinein gedrückt – das ist kein Rassismus, das ist Traditionspflege. Traditionspflege ist natürlich auch das Bewahrende, könnte man sagen, ich spinne einmal die kommende Argumentation der Partei gefällig weiter, und als Bewahrer hat der Sonnenkönig Seehofer bei seinem Machtantritt eben nicht alles umgepflügt, sondern verständig und voller Vertrauen auf seine Vorgänger deren Personal gutgläubig übernommen. Jüngst hat der Ex-Parteichef Erwin Huber wider den Seehofer unbotmässig das Wort erhoben, und so ist es ratsam, das Wahlvolk wissen zu lassen, dass genau dieser Herr es Anno Dommini 2007 war, der die nun Bedrängte als Generalsekretärin nach vorne holte. Sie war halt schon da. Das muss man verstehen und das versteht auch ein jeder. Der Huber ist eigentlich schuld. Denn der Huber war als Parteichef etwas unglücklich, aber als Sündenbock ist er brauchbar.

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Und bei der Gelegenheit könnte man dem Volke auch sagen, dass es halt aus der Zeit heraus verstanden werden muss, wie auch der 30-järigen Krieg und der staatliche Zwang im 19. Jahrhundert, einen Rosenkranz dabei zu haben, die Geschäfte des Franz Josef Strauss, der Starfighter, die WAA und der Rhein-Main-Donau-Kanal und der gescheiterte Transrapid zum Flughafen aus der Zeit heraus verstanden werden müssen. Die Partei wollte sich damals für Frauen öffnen und auch gleich ein Leitbild dieser späten Laptop-und-Lederhosenepoche präsentieren. Und tatsächlich machte die Junge Union in der kleinen, dummen Stadt an der Donau mit der Generalsekretärin prompt ein Meet and Greet – genau so nannten sie das. Meat and Greed, oder so. In dieser Stadt. Gemacht haben sie ihre modische Cocktailschirmchenhalterei nahe einer Boazn, deren Betreiberinnen hier bei den besseren Kreisen wegen Lärm und Münsterbieslern einen denkbar schlechten Ruf haben. Das war halt so der Zeitgeist. Da wollte man mehr die moderne, taffe Geschäftsfrau, durchsetzungsfreudig und karrierebewusst, gern auch weltoffen weil aus Neumünster, den alten, eingeborenen Männernetzwerken zur Seite stellen. Das mit den Modellautos konnte ja keiner wissen, und dass schneidige Karrierefrauen, wie sie in Focus Money stehen, seit der Finanzkrise und ihren Verwerfungen als Leitbild nicht mehr ganz so taugen – mei. Dafür kann die CSU doch nichts. Aber die Partei lernt dazu.

Nicht umsonst steht die Aigner Ilse nach dem Willen der Partei für ganz andere Werte: Bodenständigkeit, Gewissenhaftigkeit, Besonnenheit, Fleiss, Aigner als bayerischer Geburtsname, und Neumünster nicht als Geburtsort. Das versteht man hier durchaus richtig. So gesehen hat sich die Partei also schon lange vor dem Skandal, zumindest was den Frauentyp angeht, so entschieden, wie das Volk es jetzt haben will. Es ist mehr eine Frage der Werte, kann man salbungsvoll sagen, und schon allein deshalb kein Rassismus. Die eine steigt glaubhaft mit dem Dirndl auf den Berg des wohlhabenden Oberlandes und die andere lässt ihre Absätze in der Staatskanzlei erknallen, und der Bürger kann sich das Leitbild passend zu seinem Landlust-Abo heraussuchen. Warum sollte man über Irrwege sprechen, wenn man auch über die nette Frau Aigner sprechen kann. Und bittschön, dann sollte man auch so frei sein und der Staatspartei zugestehen, dass sie, wenngleich ein klein wenig spät, nicht nur eine gute Erklärung hat, sondern auch einen passenden Ersatz. Wenn hinter den Kulissen den politischen Schadbärinnen ein ROFLCOPTER GTFO zugeraunt wurde, kann diese Absatzknallerei-Sache da, dieses moderne Goasslschnalzertum auch die Doro Bär übernehmen, die kommt aus Franken und hat von daher viel von der Welt jenseits des bayerischen Kernlandes gesehen.

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Diese dumme, kleine Stadt an der braunen Donau hat noch immer den Imperator auf ihren Gemarkungen, und wie das Volk gesehen haben wird: Es ist ja keine schlechte Zeit. Hin und wieder verschwinden welche, aber denen wird nicht viel nachgetrauert. Am Ende ist bayerisches Blut halt doch dicker als neumünsteraner Wasser, die Wirtschaft brummt und bei der Justiz wird jetzt etwas genauer hingeschaut. Danach reden wir über den Bundesfinanzausgleich und die familienpolitischen Vorstellungen der Bundesfamilienministerin, alle katholischen Landfrauen und alle zugereisten Jungmanager sind dann wieder froh. Statt Meet and Greet machen sie sich jetzt ohnehin alle auf zum Oktoberfest, und die Empörung, dass ich da nicht hingehe, wird jeden Aufschrei über diese wie hiess die nochmal, Hadercuntz, na egal also es ist schon ein starkes Stück. wenn ich da nicht mitgehe, wo sich doch halb Neumünster dort auf den Bierbänken die Seele aus dem Leib schreit und vom Himmel der Bayern schwärmt.

Weshalb der beste Termin für einen Rücktritt auch der Moment wäre, da der neue Münchner Oberbürgermeister dem Imperator, möglicherweise auf Knien, wie es sich gehört, die erste Mass überreicht. Dann gibt es kein anderes Thema mehr, da können die Kommunisten in der SZ dann so viel schreiben, wie sie wollen.

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