Des is koa Schwoazbau ned, des is vajoahd.
Da oid Einhauser selig

Letztes Wochenende war der Tag des offenen Denkmals, wobei, man kann auch sagen, es war der Tag der offenen Bankrotterklärung vor dem Steuersystem, das uns alles, wirklich alles nimmt. Denn bei diesem Feiertag der schützenswerten Bausubstanz führen auch stolze Neubesitzer alter Mauern durch die Räume, die noch nicht so ganz begriffen haben, was sie sich da angetan haben. Es ist nun einmal so, dass die besseren Immobilien der Altstädte in vermögenden Regionen längst weg sind, oder nie verkauft wurden, und dann bleibt den Neukäufern nur der verfallene Schrott, über den ich dank meiner Grossmutter auch genau weiss, welches Gschleaf sich darin mit Messer und fliegendem Geschirr bekämpfte. Ungeachtet der schlechten historischen Lage werden aber auch in ehemals schlimmen Ecken der Stadt horrende Preise aufgerufen und bezahlt – wenn es denn jemals fertig werden sollte.

13sep1

Denn ein anderes Haus, das vor zwei Jahren offen stand, gehört einem Notar, der damals stolz tönte, der Umbau sei zwar extrem teuer, aber dafür würde er auch für den Rest seines Lebens keine Steuern mehr zahlen. Man macht so ein altes Haus ja nur teilweise aus Liebe und Zuneigung und weil die letzten sechs Generationen darin gelebt haben; die Neuberufenen werden da mehr durch die letzten verbliebenen Steuervorteile hinein geschubst. Altbausanierung ist einer der wenigen verbliebenen Bereiche, in denen der Staat tatsächlich noch Vorteile gewährt. Aber der besagte Notar hat sich etwas übernommen, im Haus waren mehr Probleme als gedacht, was ihm auch meine Grossmutter hätte sagen können, die kannte es noch aus ausgebrannte Ruine und war mit dem gefürchteten Herrn Einhauser befreundet, der damals die gesamte Installation mit verseuchten Rohren aus dem abgebrochenen Munitionswerk gemacht hat und mit Asbest versiegelte– so waren damals die schlechten Zeiten. Ich glaube ihm also gern, dass er für den Rest seines Daseins keine Steuern mehr zahlt – aber dieser Rest ist, wenn man ihn so ergraut und von Sorgen gedrückt vor seinem Millionengrab sieht, nicht wirklich lang. Nicht umsonst gilt es bei uns als “die Elbphilharmonie der Altstadt”.

In Bayern sagt man auch nicht umsonst: Wer zu viel Geld hat und ist dumm, kauft ein altes Haus und baut es um. Aber wie gesagt, es reizen die Steuervorteile, man kann mit Denkmal wirklich so einiges als Freiberufler oder Firma tun und schieben und obendrein auch Förderung bekommen, und am Ende haben wir schöne Altstädte mit einem sagenhaft hohen Mietniveau. Denken die Mieter. Und da kommen dann die Steuerungerechtigkeiten, denn so ein Mieter weiss ja gar nicht, wie gut er es hat. Er zahlt die Miete und damit hat es sich. Wir aber bekommen nicht einfach die Miete, sondern müssen sie versteuern! Das muss man sich mal vorstellen: Steuer auf Miete ist eine exklusive Reichensteuer, und sie ist angesichts des hohen Mieteranteils in Deutschland enorm. Nur im obersten Viertel dieser unserer Gemeinschaft wird wohltätig an die Armen vermietet, aber genau dieses Viertel wird dann zu einer Steuerkasse gebeten, die kein Mieter je sehen wird.

13sep2

Und weil wir gerade dabei sind und man solche Gespräche in maroden Altbauten gut führen kann: Ja, sicher, manche beklagen sich, dass man echte Arbeit höher als pauschal abgegoltene Kapitalerträge versteuern muss. Aber: Betrachtet man die Kapitalertragssteuer einmal nach dem Steueraufkommen, so muss man sagen, dass sie nur von denen bezahlt wird, die das Kapital haben. Sonst keiner! Wir ganz allein zahlen auf Aktien und Wertpapiere und all die hübschen Dinge des grauen Kapitalmarkts diese Steuer. Wer sich dagegen ein schönes Leben und sich nicht Sorgen um absaufende Fonds mit Schiffen macht, ist davon befreit. Er zahlt keine Steuer. Es trifft nur uns Besitzende. Und zwar mit der vollen Härte.

Diese Härte des Finanzministers ist eisig wie der Tod, wenn es dann noch um Kapitalanlagen geht, die früher freundlicherweise steuerlich geltend gemacht werden konnten. Der Staat wollte damals, dass man die deutsche Filmindustrie, die deutschen Werften und feine Hotels im Osten fördert, dafür hat man Fonds aufgelegt und geworben, und auch so mancher Politiker hat das empfohlen. Heute dagegen schaut das Finanzamt genauer hin, sieht die Zweckentfremdung von Mitteln dieser Fonds und verlangt von den Investoren deshalb Steuernachzahlungen. Von solchen Steuern hört man nur bei uns am Tegernsee, aber nie in Marzahn, wo die Reste solcher Investitionen das Viertel qualitativ heben sollten. Ist das gerecht?

13sep3

Apropos Tegernsee. Macht sich so ein normaler Mensch überhaupt eine Vorstellung, was es steuerlich bedeutet, einen zweiten oder dritten Wohnsitz in so einer Region zu unterhalten? Es ist nämlich gemeinerweise so, dass in solchen Gegenden für Zweitwohnsitze, man ahnt es, brutale Steuern erhoben werden. In Berlin bekommen die armen Schlucker Geld, damit sie sich dort melden, damit Berlin wächst und mehr Geld aus dem Bundesfinanzausgleich bekommt. Bei uns dagegen wird man steuerlich bestraft, wenn man mal ein Wochenende an etwas anderes als die Gier des Staates denken möchte. Das, liebe Leser, das sind die wahren Steuerungerechtigkeiten des Landes. Steuern, die es nur für die besten Kreise gibt. Das kann sich so ein Linkenpolitiker doch gar nicht vorstellen!

Was merkt so ein normaler Mensch, der in Zukunft das radeln zur Arbeit steuerlich absetzen kann, von der Steuer auf Benzin, die unsereins beim Pendeln zwischen den Wohnsitzen in den immer noch durstigen V8-Motoren verbrennt? Nichts.Was bekommt so ein normaler Mensch, der von dem lebt, was so ein echtes Rennpferd kostet, was bekommt seine Familie, die weniger als ein kleines Pologestüt verschlingt, von den drohenden Pferdesteuern mit? Nichts. Was merkt ein normaler Mensch von den Steuern auf Finanzgeschäfte der Banken, die vielleicht irgendwann im nächsten Jahrtausend kommt? Vielleicht nichts, vielleicht ein wenig, aber ich kenne genügend Leute, die das sehr wohl merken werden: Die Besitzer der Bankaktien nämlich, also wieder nur die Vermögenden, deren Rendite dann geschmälert wird. Und was erst mal sein wird, wenn man einen von Einhausers schwarzen Einbauten befreiten Stadtpalast dann an das einzige Kind vererben muss, wie es dem sich grämenden Notar droht – daran mag man bei uns gar nicht denken. Wer dagegen unter dem Freibetrag bleibt, hat nichts zu befürchten. Auch das trifft nur uns. Und jetzt frage ich Sie: Was kann unsereins dafür, dass unsere Häuser 55+x Zimmer haben? Das hat man früher so gebraucht! Wir können doch nicht einfach wegen der Erbschaftssteuer sagen, wir reissen jetzt das Gesindehaus ab.

13sep4

Wir alle – und Sie, liebe Leser, doch sicher auch – sehen also die unfassbare Ungerechtigkeit von Steuern, die nur manche treffen und andere vollkommen in Ruhe lassen. Ein klarer Fall Benachteiligung, und ohne dass ich das jetzt auf Heller und Pfenning mit dem Gini-Goevizienden oder wie der heisst ausgerechnet hätte, bin ich mir sicher: Diese enormen, brutalen und wirklich enorm kostspieligen Steuern – die bezahlen nur 10% der Bevölkerung. Der Rest weiss gar nicht, wie schlimm es am Spitzensatz der Gesellschaft aussieht. Das wird, typisch für die Wegschaumentalität und Entsolidarisierung in diesem Land, einfach ignoriert. Dazu gibt es keine Talkshow. Dabei muss man klar sagen: Steuergerechtigkeit ist zuallererst Reichengerechtigkeit.

Wir haben das also besprochen und sind nun der Meinung, dass man da vermutlich nichts machen kann und der Staat uns auch weiterhin alles nehmen wird, aber egal ob das Wahlergebnis für uns passt oder nicht, angesichts dieser Ungerechtigkeit werden Sie sicher verstehen, dass wir leider nicht mehr in der Lage sind, bei all der drückenden Steuerlast, Ihnen, so Sie bei uns mieten, den Wohnraum ganz so billig zur Verfügung zu stellen. Das ist nicht ungerecht oder gar eine Mieterhöhung, wir nennen das wie alle anderen auch jetzt “gerechte Lastenverteilung in der Gesellschaft”.

13sep5